Gründungserklärung der Kommunistischen Aktion Tübingen

Die Überwindung des Kapitalismus und der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft: Das ist es, wofür wir seit vielen Jahren kämpfen – von nun an als Kommunistische Aktion Tübingen. Denn auch eine vermeintlich linke Studierendenstadt wie Tübingen – oder gerade die – braucht eine kommunistische Kraft, die darauf hinarbeitet, auf der Straße, im Betrieb, in den Stadtvierteln und in den umliegenden Dörfern revolutionäre Gegenmacht aufzubauen. Wir freuen uns sehr, hiermit unsere Gründung bekannt zu geben.

Ausgangslage

In den vergangenen 20 Jahren haben wir uns in Tübingen an verschiedenen klassenkämpferischen und antikapitalistischen Projekten und Organisierungen in verschiedenen Kampffeldern beteiligt. Wir sind antifaschistisch aktiv, kämpfen in der Klima- und Umweltbewegung, sind Teil von feministischen Kämpfen, haben Ansätze eines Verhältnisses zu Arbeitskämpfen entwickelt, organisieren linke Infrastruktur und gestalten sozialistische Erinnerungsarbeit und Gegenkultur in Tübingen mit. Die Notwendigkeit dieser Kämpfe liegt auf der Hand: immer wiederkehrende Krisen des Kapitalismus führen zu Krieg, Stellen- und Sozialabbau, der Klimakatastrophe, mehr rassistischer Spaltung, patriarchaler Gewalt und dem Erstarken der Faschisten. Die Ursache: Der Kapitalismus. Ein System, das die Gesellschaft in zwei große Klassen spaltet: unsere Klasse, die Arbeiter:innenklasse, die Tag für Tag ihre Arbeitskraft verkaufen muss und auf der anderen Seite die Klasse der Kapitalist:innen, der die Produktionsmittel gehören. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, der diesem System zugrunde liegt, führt zu unversöhnlichen gegensätzlichen Interessen zwischen unserer Klasse und der Klasse der Kapitalist:innen. Denn wir Arbeiter:innen sind es, die immer ärmer werden, während die Kapitalist:innen immer reicher werden. Dabei sind wir es, die den gesellschaftlichen Reichtum erarbeiten. Unsere Klasse hat deshalb auch die Kraft, eine befreite Gesellschaftsordnung gegen Kapital und Staat durchzusetzen und aufzubauen.

Dem Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit begegnen wir zwangsläufig in jedem der oben genannten Kampffelder. Die Notwendigkeit, den Kapitalismus hinter uns zu lassen, liegt also auf der Hand – durch eine proletarische Revolution mit dem Ziel, den bürgerlichen Staat zu stürzen und die Produktionsmittel zu vergesellschaften. Wir müssenden Sozialismus mitsamt einer demokratisch-zentralistisch geplanten Wirtschaft und einer Rätedemokratie aufbauen.

Deshalb gehen wir jetzt einen Schritt weiter! Denn damit wir den Kapitalismus eines Tages überwinden können, müssen wir aktiv am Aufbau unserer eigenen Seite arbeiten. Dazu wollen wir als Kommunistische Aktion Tübingen unseren Beitrag leisten. Obwohl das Vertrauen in den bürgerlichen Staat und die bürgerlichen Parteien wahrnehmbar sinkt, führt die Zunahme der Krisen leider nicht automatisch zu einer Zunahme von proletarischem Klassenbewusstsein. Stattdessen hält die Mehrheit der Menschen den Kapitalismus nach wie vor für naturgegeben, echte Alternativen sind für die wenigsten greifbar und es gibt keine starke, wahrnehmbare Arbeiter:innenbewegung. Dazu kommt ein jahrzehntelanger Antikommunismus, der großes Misstrauen in kommunistische Ideen und Vorschläge gesät hat. All das führt dazu, dass viele Menschen sich lieber in individuelle Bewältigungsstrategien flüchten, als im Kollektiv für ein freies und gutes Leben zu kämpfen. Bürgerliche Medien, Schule, Universität und die zunehmende Repression gegen Linke erhalten diesen Zustand jeden Tag weiter aufrecht. Die Macht der Herrschenden scheint allgegenwärtig und unüberwindbar.

Das ist sie aber nicht! Der Ausweg liegt in der Organisierung der Arbeiter:innenklasse, liegt darin, sich zusammenzuschließen. Deshalb ist unsere Losung, verbindliche Strukturen aufzubauen und uns auf allen Ebenen im Klassenkampf zu schulen. Dafür braucht es eine kommunistische Organisation, die fähig ist, Kämpfe anzuführen und zuzuspitzen. Die eine revolutionäre Strategie und Taktik entwickelt, in unserer Klasse verankert und internationalistisch organisiert ist. Eine Organisation, die mit ihren Inhalten und Aktionen im Widerspruch zu diesem Staat steht, für die Antagonismus und Revolution nicht nur eine Floskel sind. Eine Organisation, die Gegenmacht in all ihren Facetten aufbaut, um den Herrschenden etwas entgegenzuhalten und um eines Tages mit dem Kapitalismus zu brechen. Als Kommunistische Aktion Tübingen wollen wir Teil davon sein, diese Kraft Schritt für Schritt mitaufzubauen.

Die revolutionäre Bewegung aufbauen…

… im Betrieb, dem politischen Widerstand und dem Stadtteil oder Dorf.

Für uns als Kommunist:innen ergibt sich die Aufgabe, überall dort aktiv zu sein und der aktivste Teil zu werden, wo sich unsere Klasse für ihre Interessen organisiert und kämpft. Denn Klassenbewusstsein entsteht nicht am Reißbrett, sondern in konkreten Kämpfen und Auseinandersetzungen: im Betrieb und auf der Straße.

Lohnkämpfe, Arbeitsbedingungen, Massenentlassungen: der Betrieb ist wohl der Ort, an dem der Klassenwiderspruch am offensichtlichsten zu Tage tritt. Genau dort braucht es Kommunist:innen, die die Kämpfe um die Interessen unsere Klasse am offensivsten führen und Kolleg:innen für die Perspektive des Sozialismus begeistern. Beim aktuellen Stand der Klassenkämpfe, der sozialpartnerschaftlichen Strategie der Gewerkschaftsführung und der Hegemonie der herrschenden Klasse ist das aber kein Selbstläufer, sondern mühsame Kleinstarbeit.

Gleichzeitig gilt es, auch dort zu wirken, wo Menschen derzeit primär in Bewegung kommen, wo viele Kampferfahrungen gemacht werden und wo die Kampfbereitschaft am größten ist:im politischen Widerstand. Etwa im Kampf gegen Rassismus, Faschismus, Umweltzerstörung, Krieg, in internationaler Solidarität oder in feministischen Kämpfen. Auch in diesen Kämpfen wird der Klassenwiderspruch immer sicht- und spürbar und es entsteht Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Kraft, die in der Lage ist, den Kapitalismus zu überwinden. Neben dem Stellenwert, den jeder dieser Kämpfefür sich hat, wollen wir dort Genoss:innen für den Kampf um den Sozialismus begeistern.

Das Potenzial, das in betrieblichen Kämpfen, dem politischen Widerstand oder dem Stadtteil steckt, darf nicht verpuffen und braucht deshalb ein Verhältnis zu einer kommunistischen Gruppe. Genauso wie die Arbeit einer kommunistischen Gruppe wertlos ist, wenn sie kein Verhältnis zu den Kämpfen, die in den Massen geführt werden, hat.

Der Kampf gegen den Kapitalismus ist feministisch!

Das Patriarchat ist so alt wie die Aufteilung der Gesellschaft in Klassen. Der Kapitalismus stützt sich maßgeblich auf die systematische Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen. Frauen werden systematisch schlechter bezahlt für die gleiche Arbeit, arbeiten überdurchschnittlich oft in schlecht bezahlten Berufen und in Teilzeit. Darüber hinaus leisten Frauen den Großteil der unbezahlten Reproduktionsarbeit, werden also doppelt ausgebeutet. Das Kapital profitiert von genau dieser unbezahlten Reproduktionsabeit und der Überausbeutung von Frauen und hat deshalb ein ökonomisches Interesse an der Aufrechterhaltung des Patriarchats. Außerdem spaltet das Patriarchat unsere Klasse und verhindert damit den gemeinsamen Kampf aller Geschlechter gegen das System. Die Überwindung des Patriarchats ist nur möglich, wenn wir ihm die ökonomische Grundlage – den Kapitalismus – entziehen. Allerdings wird die Überwindung des Patriarchats nach der Überwindung des Kapitalismus nicht automatisch geschehen. Stattdessen müssen wir bewusst und aktiv auf die Befreiung von Frauen und queeren Personen hinarbeiten. Auch im Hier und Jetzt ist die Bekämpfung des Patriarchats unsere Aufgabe als Kommunist:innen. Sowohl in der Gesellschaft als Ganzes, als auch in unseren eigenen Strukturen.

Der Kampf um Befreiung ist international!

Der Kapitalismus ist global – der Widerstand dagegen auch. Weltweit stellen sich die Unterdrückten und Ausgebeuteten gegen dieses System. In ganz unterschiedlichen Phasen des Klassenkampfes und verschiedener Intensität der Auseinandersetzungen. Mit dem Bewusstsein, dass wir den Kapitalismus weltweit überwinden müssen, verstehen wir uns als Teil einer internationalen revolutionären Bewegung. Wir wollen von internationalen Kämpfen gegen den Kapitalismus lernen, uns gegenseitig unterstützen und internationale Solidarität praktisch werden lassen. Denn internationale Solidarität ist die Waffe unserer Klasse im gemeinsamen Kampf gegen den Kapitalismus. Als Kommunist:innen in Deutschland, im Zentrum des Imperialismus, sehen wir es neben der solidarischen Unterstützung internationaler Kämpfe als unsere Hauptaufgabe an, die Kapitalist:innen hier vor Ort zu bekämpfen. Denn sie sind es, die weltweit die Ausbeutung unserer Klasse organisieren.

Packen wir es an!

Wir sind weder die Ersten, noch die Einzigen, die auf die Überwindung des Kapitalismus hinarbeiten. Wir greifen auf eine lange Tradition der Arbeiter:innenbewegung auf der ganzen Welt mit all ihren Erfolgen, ihren Fehlern und Niederlagen zurück. Trotzdem: Eine sinnvolle revolutionäre Strategie können wir leider weder abschreiben noch werden wir sie nicht durch Zufall im Aktionismus entdecken – sie muss entwickelt werden. Wir wollen Neues ausprobieren, aus aktuellen Kämpfen neue Impulse aufnehmen und auf Bewährtem aufbauen. Auf dieser Grundlage sind wir Teil davon, eine zeitgemäße Theorie mitsamt revolutionärer Taktik und Strategie zu entwickeln, an der sich unsere Praxis orientiert. Dafür braucht es Geduld, Flexibilität und Hartnäckigkeit auf allen Ebenen der politischen Auseinandersetzung.

In diesem Sinne: Kämpft mit uns gemeinsam dafür, alle Verhältnisse umzustürzen, in denen der Mensch ein geknechtetes Wesen ist! Für eine befreite Gesellschaft! Für den Kommunismus! Wir haben eine Welt zu gewinnen!

Kommunistische Aktion Tübingen

im Mai 2025

Web: kommunistischeaktion-tuebingen.net

Mail: kommunistischeaktion-tuebingen[at]systemli.org


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